Schublade zu!

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Ich hab in den letzten Wochen viel gelesen….über unterschiedliche Erziehungskonzepte bzw. Nicht-Erziehungskonzepte. Das ist für mich sehr spannend…weil es meine Sichtweise immer wieder verändert und ich mir immer wieder etwas für mich  mitnehmen kann.

Ich persönlich finde es nur schade, dass es für alles einen Namen braucht und mit dem Namen auch sehr schnell eine Schublade geöffnet wird, in die das Konzept dann reinkommt. Ich weiß nicht genau, ob das ein Phänomen unserer Kultur ist, aber es fällt mir immer mehr auf, dass es so rasch dann nur noch schwarz oder weiß gibt, richtig oder falsch, achtsame oder achtlose Eltern…Doch wir sind so viel mehr als es sich jemals in Kategorien zusammenfassen lässt. Und vor allem verändern wir uns auch ständig- gerade als Eltern! Mit jeder Entwicklungsphase unserer Kinder wachsen wir genauso mit….und was gerade noch total stimmig für uns war, uns gedient hat und uns völlig nachvollziehbar erschien, kann es dann nicht mehr sein finde ich.  Müssen wir dann in der Schublade verharren? Weil wir uns dafür entschieden haben? Schließlich muss man sich ja für etwas entscheiden, oder?! Und zwar am Besten von Anfang an: Bin ich Kaiserschnittmama oder Spontangeburtmama? Bin ich Stillmama oder Fläschchenmama? Bin ich Familienbettmama oder Gitterbettmama? Bin ich Kinderwagenmama oder Tragemama? Bin ich Gläschenmama oder Selbstkochmama? Bin ich Impfmama oder Impfgegnermama? Bin ich Wickelmama oder Windellosmama? Bin ich selbstbetreuende oder fremdbetreuende Mama?

Gut, ich übertreibe (ein klein wenig :-). Aber in ähnlicher Form habe ich das tatsächlich so erlebt. Und erlebe es immer noch in meiner Arbeit und auch privat. Und mit jeder Entscheidung öffnet sich eine Schublade- z.B der Klassiker: Waaaas? Du stillst schon so lange? Schwups- Schublade rot auf. Waaaas? Du stillst nur so kurz? Schwups- Schublade grün auf!

Mit jeder Schublade, so wird uns suggeriert, gibt es dann selbstverständlich eine Reihe von Konsequenzen, die sich dann zwangsläufig ergeben „müssen“: Wie zb verwöhnte Kinder, bindungslose Kinder etc.

Das finde ich traurig. Und zwar unter anderem deshalb, weil ich als Mama anfangs sehr darunter gelitten habe. Weil ich das Gefühl hatte: Wenn ich es so ODER so machen muss, wenn ich mich für ein Konzept entscheiden muss, dann bleibt ein Teil von mir auf der Strecke! Dann bin das nicht ICH!

Warum können wir nicht bunt sein? Warum kann es nicht ein UND statt dem ODER sein? Warum können wir nicht aus all der Vielfalt das für uns raussuchen, was stimmig ist? Und zwar HEUTE – nicht für immer und ewig! Für mich ist es nicht Wankelmut oder mangelnde Konsequenz wenn ich Wege, die ich eingeschlagen habe, auch wieder verlasse. Wenn ich mich wieder neu entscheide, weil ich spüre, das alte ist nicht mehr stimmig. Warum können wir nicht vieles ausprobieren, voneinander lernen und uns inspirieren lassen von den unzähligen Möglichkeiten, die wir haben?

Würden wir uns wünschen, dass sich unsere Kinder mit 3 Jahren festlegen, wie ihr weiterer Lebensweg ausschaut? Oder, dass sie möglichst viel kennenlernen, sehen, erfahren und sich immer wieder neu entdecken?

Also- ich wünsche mir für meine Kinder letzteres. Und für mich als Mama auch. Und im übrigen auch als Frau 🙂

Tu, was dir gut tut! 

 

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